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Philosophie

Was bedeutet „Philosophieren“?

Wenn es nach Aristoteles, einem bekannten Philosophen der Antike, geht, dürfte es Philosophie in der Schule gar nicht geben. Erst wenn wir mit etwa 40 Jahren ausreichend Lebenserfahrung gesammelt haben, hätten wir seiner Meinung nach die notwendige Verankerung in der Gesellschaft und die innere Reife, um uns den Fragen der Philosophie zu stellen. Wären wir zu jung, könnten diese Fragen uns den Boden unter den Füßen wegziehen und uns eher verwirren als Klarheit zu schaffen. Was bedeutet es beispielsweise, dass etwas „ist“? Kann man mit sich selbst befreundet sein? Und ist Arbeit eine Bedingung oder ein Feind des Glücks?

Aristoteles war der Ansicht, dass ein Mensch, der seine alltäglichen Aufgaben ernst nimmt und über sein Handeln nachdenkt, von selbst auf solche philosophischen Fragen stößt: wenn er nämlich weiterdenkt und weiterfragt, ob und warum es denn so sei, wie es zu sein scheint, und warum es denn so sein sollte.

Auch die Frage nach der gerechten Höhe des Taschengeldes, der Zweifel, ob Hausaufgaben ein Beitrag zu unserem Glück sind oder ob in Deutschland Stammzellen für die Forschung und Therapie verwendet werden sollten, sind Teil einer philosophischen Betrachtung des Alltags.

Aristoteles besprach solche Alltags-Fragen, die eine Ankerleine zu philosophischen Fragen und Antworten enthalten, am liebsten im Gehen. Er meinte allerdings, dass das regelmäßige philosophische Gespräch uns nicht zum philosophischen Wissenschaftler mache, der alles aus Theorien ableiten könne, sondern dass es eine Tugend, die Besonnenheit, übt.

Diese Nachdenklichkeit brauchen und üben wir im Philosophieunterricht, um alltägliche Dinge in größeren Zusammenhängen zu sehen, bei Entscheidungen die richtigen Maßstäbe zu kennen und prüfen zu können und um zu wissen, wo unsere Grenzen liegen. Eine Hilfe dabei und manchmal auch eine anstrengende Hürde sind die Texte der Philosophen, in denen sie diese Antworten gesucht haben. So gehört neben dem Gespräch immer auch das Schreiben und Lesen von Texten zur Philosophie.

Philosophieren am Gymnasium Hochrad

Anders als bei Aristoteles wird Philosophie bei uns am Gymnasium Hochrad bereits ab Klasse 7 alternativ zu Religion als 2-stündiges Unterrichtsfach angeboten. In der Regel wird auch nicht auf Spaziergängen, sondern im Kursverband sitzend unterrichtet. Dies geschieht in einer gemeinsamen Klassendiskussion, in Kleingruppen außerhalb des Klassenraumes oder auch in schriftlicher Form in Essays. Aber wir reden und schreiben nicht immer einfach nur, sondern gestalten den Philosophieunterricht auch mithilfe offener Unterrichtsformen interessant und ansprechend. Durch Projektarbeit in Gruppen, Arbeit mit Filmen und Bildern oder auch szenischen Ansätzen ermöglichen wir vielen Schülerinnen und Schülern einen individuellen Zugang zum Thema.

In unserer Studienstufe ist es im weiteren Verlauf der Schulzeit möglich, ein Profil zu wählen, in dem Philosophie ein fester Bestandteil ist. Doch auch wer ein anderes Profil wählt, kann zwei bis vier Semester Philosophie belegen und dort eine mündliche Abiturprüfung ablegen. Auch Schülerinnen und Schüler, die sich in Klasse 7, 9 und 10 für Religion entschieden hatten, können ein Profil mit philosophischem Anteil wählen.

Philosophie im Unterricht

Unser Philosophieunterricht am Gymnasium Hochrad richtet sich auch heute in weiten Teilen nach Aristoteles’ Idee des Philosophierens:

  • Der Philosophieunterricht geht von Konflikten oder Entscheidungs-Fragen des Alltags aus.
  • Er führt von solchen Fragen auf übergeordnete philosophische Fragen (siehe „Was bedeutet Philosophieren“).
  • Der Philosophieunterricht besteht aus dem philosophischen Gespräch und der Beschäftigung mit Texten: solchen bekannter Denker und eigenen Texten. Texte geben dem Gespräch einen Halt und zeigen uns, dass viele unserer Gedanken auf den Schultern der Philosophen vor uns stehen. Philosophie fragt auch nach den geschichtlichen Voraussetzungen unseres Denkens.
  • Er wendet sich an junge Menschen, die es nicht peinlich oder uncool finden, ein nachdenklicher Mensch zu sein oder zu werden. Das heißt, er setzt eine gewisse nachdenkliche Grundeinstellung voraus und möchte diese wachsen lassen.

Anders als zu Aristoteles‘ Zeiten musst du heutzutage als Schülerin oder Schüler relativ viel Ungewissheit oder Zweifel aushalten können, denn anders als vor 2500 Jahren werden wir Philosophielehrer uns nicht vor die Klasse stellen und sagen, welche Theorie die richtige und welche die falsche Antwort gibt. Unser Ziel ist es, dass du dir dein eigenes Urteil bilden und es im Kurs mit Argumenten vertreten kannst. Dabei ist es hilfreich, wenn du als Schülerin oder Schüler gerne diskutierst und Erörterungen oder Essays schreibst. Solche Texte, ebenso Referate, können auch an Stelle einer Arbeit ein schriftlicher Leistungsnachweis sein.

Im Philosophieunterricht lernst du also die Kompetenz philosophieren zu können. Diese Fähigkeit strukturiert zu denken und deine Meinung über dich und deine Umwelt verständlich mitzuteilen, ist nach unserer Meinung Voraussetzung dafür, ein aufgeklärter Mensch werden zu können. Das Philosophieren ist ein unverzichtbares Werkzeug um auf die Suche nach Antworten auf jene Fragen zu gehen, welche unsere Umwelt tagtäglich aufwirft.

Wenn für dich Nachdenklichkeit etwas Positives ist, du gerne diskutierst und Spaß daran hast an harten Nüssen zu knobeln, bist du in unserem Philosophieunterricht genau richtig. Allerdings musst du auch damit rechnen, dass du auf einige Fragen keine endgültige Antwort finden können wirst.

Was soll ich wählen? Philosophie oder Religion?

Es gibt, nicht nur für Aristoteles, gute Gründe, kein Philosophie zu belegen. Auch in Fächern wie z.B. Deutsch, Religion und Geschichte kannst du die Grundlagen unserer Kultur und unserer Vorstellungen über sinnvolles Leben gut kennen lernen. Gerade zwischen Literatur, Kunst und Musik auf der einen und den Religionen auf der anderen Seite hat es intensiven Austausch und Beeinflussungen gegeben. In Religion Bescheid zu wissen, fördert also auch dein Verständnis kultureller Werke und Werte.

Du gehst im Fach Religion eher den Weg durch Geschichten und Gleichnisse, als den Weg des Fragens, des vernünftigen Begründens oder des „Bastelns“ an theoretischen Modellen. Daher solltest du darauf achten, was dir besser liegt.

Vielleicht steckte auch Aristoteles‘ Sympathie für das Konkrete, das Anschauliche dahinter, als er davor warnte, Menschen durch die Philosophie zu irritieren, die gerade in die Vielfalt des Lebens eintreten. Eine leichte Irritation muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Es kann das eigene Denken und Urteilen auch sehr beleben.

Weiterführende Informationen

Wenn du oder deine Eltern weiterführende Informationen zum Philosophieunterricht am Gymnasium Hochrad bzw. in Hamburg haben möchten, dann empfehlen wir den Besuch folgender Internetseiten, die Lektüre der dort verlinkten Dokumente oder eine E-Mail an die Fachleitung Herrn Melsa unter manuel.melsa@hochrad.de.

Weiterführende Links:

Wer unterrichtet dieses Fach?

Dr. Carsten Behle

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Manuel Melsa

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Christian Rave-Borger

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Tilmann Uebing Info