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„Schatten 1“ – Eine digitale Ausstellung der Klassen 5a, 5b, 5c und 5e
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Stadtentwicklung am Beispiel der Wasserversorgung

1. April 2020


Geographie

Als wir am 28.01.2020 unsere Exkursion im Hamburger Wasserwerk am Billhorner Deich starteten, wurde uns erst das Gelände gezeigt und auch eine Wasseraufbereitungsanlage von innen vorgeführt und erklärt. Anschließend wurde  uns die Geschichte der  Hamburger Wasserversorgung und Kanalisation nähergebracht:

Die Geschichte der Hamburger Wasserversorgung beginnt mit der strategischen Lage der Stadtgründung im Mittelalter.  Hamburg wurde nämlich zwischen den Flüssen Bille und Alster gegründet und nicht direkt an der Elbe, wie die meisten vermuten würden. Zu dieser Zeit wurden die Flüsse nicht nur zur Wasserversorgung genutzt, sie waren auch der Ort, in den die Menschen ihre Abfälle und Unrat hineinwarfen. Zur damaligen Zeit  hatten nicht alle Hamburger Zugang zur Wasserversorgung, daher kauften sie von den „fahrenden Wasserkarren“ oder man beauftragte Wasserträger, die sogenannten Hummeln.  Dieser Beruf wurde fast nur von Frauen ausgeführt, da Frauen damals nicht viele Berufe ausüben durften. Es waren meistens alleinstehende Frauen, welche für sich selbst sorgen mussten.

Mit dem Wachstum der Stadt verschlechterte sich  die Wasserqualität enorm, so schlossen sich im 15. Jahrhundert die  wohlhabenden Bürger Hamburgs zu „ Feldbrunnen- Interessentschaften“ zusammen. Sie ließen sich Wasserleitungen von den Quellen außerhalb der Stadtmauern  bis in ihre Häuser legen, welche aus Holz wahren. Das Wasser der Quellen wurde damals nur zu Nahrungszwecken verwendet.

Mit der Zeit stieg das Bedürfnis nach sauberem Wasser. Um dies zu gewährleisten, wurden ab 1531 sogenannte Wasserkünste errichtet, welche eine Art Pumpwerk waren. Aufgrund der in Hamburg damals bestehenden Textilindustrie wurde es zunehmend gefährlicher bzw. gesundheitsschädigender das Alsterwasser zu verwenden. Die Textilunternehmen wuschen ihre gefärbten Stoffe in den Alsterkanälen. Diese Farbstoffe waren, wie man heutzutage weiß, extrem giftig, da auch Mittel wie Jauche zur Färbung verwendet wurden. Aufgrund dieser Verunreinigungen konnten sich Krankheiten wie Cholera und Typhus ausbreiten, mehrere Epidemien folgten und viele Hamburger starben an den genannten Krankheiten.

Im Jahr 1842 veränderte sich viel in Hamburg, ausschlaggebend dafür war der große Brand am 5. Mai 1842. Durch den Brand wurden große Teile der Stadt komplett vernichtet (man geht von einem Drittel der Stadt aus) und  rund 20.000 Hamburger wurden obdachlos. Dabei brannten auch drei Wasserkünste ab und eine neue Regelung der Wasserversorgung musste geschaffen werden. Die Stadt Hamburg wollte fortan auf ein staatliches Wasserversorgungsnetz umstellen, um die Löschwasserversorgung zu verbessern. Darum wurde am 1. September 1842 ein Plan zum Aufbau einer neu konzeptionellen Altstadt von der Hamburg Bürgerschaft erarbeitet, dafür wurde eine Expertenkommission gegründet. Es wurde zuerst eine Schwemmkanalisation errichtet, in ihr wurden Regenwasser und Haushaltsabwasser gesammelt und weggespült. Die Abwässer wurden in die Elbe umgeleitet, jedoch stellte sich bald heraus, dass dieser Plan nicht ganz durchdacht war, denn bei Hochwasser wurde die Kanalisation überfordert und die schmutzigen Abwässer verteilten sich durch die ganze Stadt. Dieses Problem behob man mit dem Bau von Fluttoren, mit denen man im Falle einer Flut das Hochwasser kontrollieren konnte. Da man aus den vergangenen Epidemien gelernt hatte, ließ man fortan alle Hamburger am neuen Wasserversorgungsnetz teilhaben, um die allgemeine Hygiene in der Stadt zu verbessern.

Dafür wurde das erste Wasserwerk Hamburgs in Rothenburgsort  errichtet, es wurde mit Hilfe von Dampfpumpen betrieben und verfügte über drei Ablagerungsbecken, in denen das abgepumpte Elbwasser aufbereitet wurde. Auch in Altona und Bergedorf entstanden Wasserwerke, hier wurden Langsamsandfiltersysteme verwendet, in welchen das Wasser bakteriell und organisch gereinigt werden konnte.

Im Zweiten Weltkrieg wurden durch die zahlreichen Bombardierungen der Alliierten große Teile Hamburgs und damit auch der Wasserleitungen sowie Teile der Wasserwerke zerstört. In Kaltehofe wurden 88 Bombentreffer registriert, was zur Folge hatte, dass die Filteranlagen große Zerstörungen erlitten und somit  nur noch 65% der Filteranlage verwendet werden konnten. In Rothenburgsort verursachten die  Bombeneinschläge einen Totalausfall.

1962 ging mit der Jahrhundertflut und den daraus folgenden Deichbrüchen auch die Zerstörung des Wasserwerkes Moorburg einher, die Wasserwerke Wilhelmsburg, Süderelbmarsch und Haseldorfer Marsch mussten mehrere Monate den Betrieb aussetzen, da die Filterbecken mit dem verdrecken Elbwasser überspült worden waren. Die hochwertigen Wasserfilter sowie der geringe Härtegrad des Hamburger Grundwassers gewährleisten seit jeher ein sehr gutes Trinkwasserniveau für uns Hamburger.

Johannes Raasch, S2

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